Der Schmuck der GEISHAS & SAMURAI

Ein Samurai hält sein Schwert in der rechten Hand
und steht vor seinem Gegner. Er sieht Blätter vom Baum,
die sich auf der Klinge seines Schwertes spiegeln.
Hebt er das Schwert mit beiden Händen hoch, erscheint das Meer 
im Spiegel der Schneide. Sorgen um die Familie, Treue
zum Herrn, Stolz und Angst verdichten sich zu einem
schmerzhaften Widerspruch in der Naturlandschaft.

Ein römischer Gladiator fühlte sich unbesiegbar, wenn er
die Halterung seines Schwertes sah: Sie hatte die Form
eines Löwenkopfes. Ein Samurai hingegen identifizierte
sich nicht mit einem Raubtier. Im entscheidenden Moment
des Kampfes sollte er ruhig bleiben wie eine Pflanze
und durchlässig wie fließendes Wasser.

Mitte des 17. Jahrhunderts wurden in Japan strenge
Regelungen eingeführt, um die Form des Schwertes zu
vereinheitlichen. Keine Abweichungen wurden geduldet,
keine spielerischen Einfälle, was die Schneide angeht. Die Kunst
konzentrierte sich auf die winzigen Flächen am Griff und
dem Tsuba. Dort durfte der Künstler seine Ästhetik entfalten
und der Samurai seine Emotionen. Meereswellen, Fische,
Blüten: Die Motive verkörperten die Vergänglichkeit,
während die harte Materie die Dauerhaftigkeit sicherte.

 

Worte der Schriftstellerin Yoko Tawada

ausgezeichnet mit dem Kleist-Preis 2016

Der Schmuck der

geishas & samurai

Über Jahrzehnte habe ich ihnen nachgespürt – antiken japanischen
Zierstücken aus der Edo-Zeit, wunderbaren, aus Shakudo
(einer Legierung von Kupfer und Gold) gearbeiteten Verzierungen. 
Für Geishas und Samurai waren sie Schmuck und Glücksbringer
gleichermaßen.

Die Arbeiten der japanischen Meister haben mich
berührt und fasziniert, seit dem Tag, als ich sie erstmals in Händen
halten durfte. Viele der Stücke, die ich sammeln konnte,
tragen die Signaturen der Künstler. Mit großem Respekt
verneige ich mich vor ihnen und ihrem handwerklichen Können. 

Meine Ringe und Anhänger sollen eine Hommage sein 
an ihre Kunst, die ich nach mehr als 200 Jahren auf meine
Art interpretiert und neu belebt habe. Wer wird sie tragen – hinaus
in die Welt? Was wird aus ihnen, wie wird man sie verstehen?

Christoph Freier

Man findet diese Zierstücke an den historischen Schwertern der Samurai, auf dem Tsuba, dem Stichblatt,
und dem Fuchi, dem Verbindungsteil von Griff und Klinge; auf dem Kashira, der Abschlusskappe des Griffs,
und dem Kozuka, dem Griff des Beimessers. Menuki – Schmuckelemente und Glücksbringer – waren
halb unter dem Griffband verborgen. Die Kimonos der Geishas verzierten Obidome, Gürtelschnallen des
schmalen Gürtelbandes, und Kanemono, Schmuckelemente an Verschlüssen von Taschen. Das Ende einer Seidenkordel,
mit der Beutel und Taschen auch von Männern am Kimonogürtel getragen wurden, war mit Netsuke gesichert.